Roud Kollektiv
Donnerstag 14:30
Zelt 2
Seit dem Beginn des sogenannten „Kriegs gegen den Terror“ im Jahr 2001 erleben wir eine neue Phase globaler Militarisierung und imperialistischer Konfrontationen. Von Gaza über den Sudan und den Kongo bis zur Ukraine werden Menschen vertrieben, bombardiert und getötet.
Doch in den öffentlichen Debatten verschwinden die Perspektiven der Betroffenen häufig hinter den Interessen von Staaten und geopolitischen Machtblöcken. Regierungen und Medien sprechen von „Sicherheit“, „Verteidigung“ oder „Frieden“, während die Unterdrückten den Preis zahlen: durch Bombardierungen, Repression, Armut, Flucht und die Zerstörung ihrer sozialen Lebensgrundlagen.
Diese Logik prägt nicht nur die Politik der Staaten, sondern häufig auch die Debatten innerhalb der Linken. Statt von den Kämpfen der Unterdrückten auszugehen, werden Konflikte aus der Perspektive konkurrierender Machtzentren betrachtet. Campistische Denkweise ersetzt die Solidarität mit den Kämpfen von unten durch die Parteinahme für das vermeintlich „kleinere Übel“ innerhalb imperialistischer oder regionaler Machtkonflikte.
Besonders deutlich zeigt sich dies am Iran. Dort steht die Hinrichtungsmaschinerie der Islamischen Republik auch in Zeiten äußerer Konflikte nicht still. Krieg nach außen und Repression nach innen stabilisieren sich gegenseitig. Für viele Unterdrückte unterscheiden sich Krieg und Frieden daher oft nur in ihrer Form, nicht in ihrem Wesen.
Dem setzen wir einen Internationalismus von unten entgegen. Unsere Solidarität gilt weder Staaten noch geopolitischen Lagern, sondern den Selbstorganisierungen und Kämpfen der Unterdrückten weltweit. Wir verstehen Befreiung als gemeinsamen Kampf gegen Kapitalismus, Patriarchat, Rassismus, Kolonialismus, Militarismus und jede Form von Herrschaft – denn sie sind miteinander verwoben und können nur gemeinsam überwunden werden.
Als iranische politische Aktivistinnen im Exil, „Roud-Kollektiv“, möchten wir diese Fragen gemeinsam mit Euch diskutieren. Im ersten Teil des Workshops analysieren wir die gegenwärtigen Kriege am Beispiel Israels, des Irans und der USA sowie die aktuelle Situation sozialer und politischer Bewegungen im Iran im Spannungsfeld von Revolution und Konterrevolution.
Im zweiten Teil möchten wir gemeinsam diskutieren: Wie können wir der Militarisierung unserer Gesellschaften entgegentreten? Wie können wir internationale Solidarität jenseits staatlicher und geopolitischer Interessen organisieren? Wie lässt sich campistisches Denken überwinden? Und wie können wir die Kämpfe gegen Krieg, Ausbeutung, Patriarchat und Unterdrückung weltweit miteinander verbinden?
Dabei ist uns wichtig auch zu verstehen, welche Funktion die Ausgrenzung von Geflüchteten und Migrantinnen zusammen mit dem generellen Abbau von Sozialleistungen hat: der Konkurrenzdruck und die Vereinzelung der Menschen sollen so massiv vorangetrieben werden werden, um die Organisation von gemeinschaftlichem Widerstand und solidarischer Gesellschaftlichkeit zu verhindern.
Gerade in einer Zeit, in der Kriege als unvermeidlich dargestellt und immer neue Aufrüstung legitimiert wird, möchten wir über die Möglichkeiten eines Internationalismus von unten sprechen, der den nationalen und geopolitischen Spaltungen eine Politik der Solidarität, Selbstorganisierung und gemeinsamen Befreiung entgegensetzt.
