Friedenskampagne
Freitag 04.09. um 16:30
Zelt 5
Sprache ist nicht neutral, sondern Teil von Machtverhältnissen. Weiße europäische Gesellschaften haben ihre politischen, kulturellen und sprachlichen Normen historisch durch Kolonialismus, wirtschaftliche Ausbeutung und militärische Gewalt als dominant durchgesetzt. Europäische Sprachen wurden weltweit zu Sprachen von Verwaltung, Bildung, Wissen und politischer Macht.
Diese Geschichte wirkt bis heute fort. Die Dominanz des Deutschen in politischen und aktivistischen Räumen ist daher nicht nur eine Frage der Verständigung. Wer die dominante Sprache spricht, hat oft besseren Zugang, mehr Sicherheit und wird leichter mit Bildung, Kompetenz und Glaubwürdigkeit verbunden.
Gerade Bewegungen gegen Rassismus, Kolonialismus, Krieg und Militarismus müssen deshalb fragen: Wie können wir Machtverhältnisse kritisieren, wenn wir selbst von ihnen profitieren und sie in unseren politischen Räumen reproduzieren?
Antirassistische und antimilitaristische Praxis bedeutet, das eigene weiße und europäische Privileg zu reflektieren – auch das Privileg, dass die eigene Sprache als selbstverständlich dominant gilt. Es reicht nicht, koloniale und militärische Macht außerhalb von uns zu kritisieren; wir müssen auch hinterfragen, wie sie in unseren eigenen Bewegungen weiterwirkt.
Sprachliche Dominanz darf nicht selbstverständlich bleiben. Wir müssen Macht teilen und Räume schaffen, in denen verschiedene Sprachen gleichberechtigt nebeneinander bestehen und alle unabhängig von ihrer sprachlichen Herkunft politisch handeln, diskutieren und gehört werden können.
Eine dekoloniale Praxis muss deshalb auch fragen: Wie können wir unsere politischen Räume so verändern, dass nicht eine Sprache und eine Perspektive zum Maßstab für alle anderen werden?
